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Erneuern statt renovieren

  • Autorenbild: rethink:IT Redaktion
    rethink:IT Redaktion
  • 27. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Dez. 2025

In der digitalisierten Wirtschaft gewinnt, wer sein technisches Fundament erneuert. Unternehmen, die eine konsequente IT-Restrukturierung angehen, Altsysteme ablösen und ihre Wertschöpfung neu ausrichten, schaffen echten Handlungsspielraum für Wachstum.


Von Fabian Schulz Geschäftsführender Partner, Schulz & Schulz

Fabian Schulz, Geschäftsführender Partner, Schulz & Schulz

Fabian Schulz ist Unternehmensberater, Lehrbeauftragter für Digitalisierung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Unternehmer. Er zählt zu den führenden Köpfen in Deutschland, wenn es um die Neuausrichtung interner IT-Organisationen und Carve-outs geht. 2017 gründete der Stuttgarter gemeinsam mit seinem Vater die Managementberatung Schulz & Schulz, die branchenübergreifend Geschäftsführer:innen und Vorstände in der DACH-Region bei IT-Restrukturierungen begleitet.

Unternehmen renovieren ihre Fassade, doch das tragende Gerüst bleibt unverändert. Genau darin liegt eines der größten Missverständnisse der digitalen Transformation.


Die Realität ist unbequem: Wer glaubt, mit schrittweiser Modernisierung wettbewerbsfähig zu bleiben, verliert Zeit, Geld und strategische Position. Doch wer sich dieser Wahrheit stellt, gewinnt Klarheit und die Voraussetzung, wieder aktiv gestalten zu können. Denn Unternehmen scheitern selten an Technologie, sondern an Mut, Klarheit und Tempo.


Besonders deutlich wird diese Entwicklung im Verlagswesen. Den meisten Häusern ist klar, dass ihre wirtschaftliche Zukunft vor allem im Digitalen liegt. Gleichzeitig treffen sinkende Auflagen auf digitale Erlöse, die noch nicht tragen. Und genau an dieser Stelle fehlt häufig die Vorstellung, wie der Übergang gelingen soll.


Die Ursache liegt selten am fehlenden Willen, sondern an veralteten Strukturen. Viele Verlage arbeiten noch immer mit IT-Architekturen, die für eine andere Zeit gebaut wurden. Solange deren Pflege Ressourcen bindet, bleibt kaum Raum für Experimente oder neue Wertschöpfung. Digitalisierung ist kein reines IT-Projekt. Aber ohne eine moderne IT lässt sich kein digitales Geschäftsmodell entwickeln.


Damit wird klar: Veraltete Strukturen müssen ersetzt werden. Und genau darin liegt eine große Chance. Wenn das Fundament erst einmal erneuert ist, entsteht der Raum, wieder gestalten zu können.


Daraus folgt, was IT-Restrukturierung wirklich bedeutet: die IT – als Grundlage neuer Wertschöpfung – vom Verwaltungsapparat zur strategischen Führungsfunktion zu entwickeln. Konkret heißt das: Legacy-Systeme konsequent abschalten, Standardprozesse auslagern und eine interne IT aufbauen, die über echtes Business-Know-how verfügt und sichtbar zur Wertschöpfung und Innovationskraft beiträgt.


Dieser Weg kann schmerzhaft sein. Transformation verlangt Entscheidungen, die unbequem sind, und Führung, die Verantwortung übernimmt. Denn kein IT-Team kann Wandel treiben, wenn es gleichzeitig ein baufälliges Gerüst stützen, Skepsis abfangen und Budgetkürzungen kompensieren muss.


Gerade deshalb geht es in solchen Prozessen nicht darum, Menschen zu ersetzen. Wer den eigenen Mitarbeitenden früh Orientierung gibt, stärkt ihre Bereitschaft mitzugehen – und gewinnt genau die Kompetenzen, die moderne IT braucht, um das neue Gebäude zu tragen.

Am Ende folgt jede Restrukturierung einem klaren Prinzip: ehrliche Bestandsaufnahme, Fokus auf Kernkompetenzen – und die Frage, welche Themen außerhalb dieser Kompetenzen man wirklich noch selbst bearbeiten sollte. Danach braucht es konsequente Umsetzung. Dieser Weg kostet Kraft, doch er eröffnet das, was Unternehmen heute am dringendsten brauchen: Handlungsspielraum.


Digitale Wettbewerbsfähigkeit ist kein Zustand, sondern ein aktiver Führungsauftrag. Und er beginnt mit der Entscheidung, das Alte loszulassen, damit ein neues, tragfähiges Gerüst entstehen kann.


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